Erika Eisenhut

Tiefe 2024, 160 x 120

Malerei

«Sobald das Bewusstsein auf einen einzigen Punkt konzentriert ist, ist seine Kraft atemberaubend. Ich nehme dann auf eine Art und Weise wahr, die ich zwar nicht vollkommen verstehe, die jedoch sehr genau ist. Wenn dieser Zustand erreicht ist, malt der Pinsel aus sich selbst heraus, tanzt der Tanz sich selbst.» (John Daido Loori)

Der kreative Prozess ist ein Annähern an etwas Unbekanntes. So ergibt sich Schicht für Schicht auf einem Bild. Den schöpferischen Prozess erlebe ich als eine Vertiefung, eine Präsenz mit höchster Konzentration, eine Form von Sensibilität.

Erika Eisenhut
Technik: Öl auf Baumwolle

ohne Titel 2024, 160 x 120


Spuren der Stärke 2024, 160 x 120


      ohne Titel 2022, 140 x 120


Text zum Bild ohne Titel 2022, 140 x 120 
von Gabriele Meseth

Häutung

wildes ungehemmtes tönen

 

wenn du mutig sein kannst
kann ich es auch

wenn du dich häutest 
und mir dein Fleisch unter der Haut zeigst
auch wenn ich mich ekeln könnte
werde auch ich mutig

 

wenn du meine Hand 
auf die Haut legst
die darunter gewachsen ist
wirst du mir wieder vertraut
auch wenn deine Nase 
aus dem Gesicht geglitten ist
 

wenn du furchtlos 
deine Augen öffnest 
und wieder schließt
sehe ich darin 
den lichtdurchfluteten Himmel

sag mir nicht
du hättest es nicht gewusst

sag mir nicht
du hast es nicht gewollt 

hattest du eine Wahl?


ich sehe dich 
durch alle Hautfetzen hindurch
die mich von dir ablenken 

ich sehe dich
auch wenn ich dich 
nicht mehr erkenne.

Ich sehe dich
weil alle Häutungen 
dich näher bringen
zu dem was bleibt 


ich bleibe

      wartend 2019, 140 x 120

  Aufbruch 2023, 160 x 120

Text zum Bild Aufbruch 2023 
von Gabriele Meseth


Woher wissen die Krokusse
wann sie blühen?

und die Narzissen 
und die Gundelrebe
und erst die Tulpen
die Roten

und was 
wenn sich das Meer aus Blüten
bis in den Himmel reckt
gelb rückhaltlos
sich verschenkend lang streckt
und trotzdem 
in einer Fläche vereint ist?

der Boden schwarz
alles ausfüllend im unteren Drittel
mit einem Hauch violett
braucht alles Blühen
nicht 
dieses Gewicht
diese Schwerkraft
diese Unendlichkeit
diese Stille

in der die Wurzeln
wie zarte Sprösslinge
ihren Anker finden

 ohne Titel 2022, 160 x 120

Text zum Bild ohne Titel 2022, 
von Gabriele Meseth

ja ja ja

wenn die Welle dich mitreißt
lass dich mitreißen
wegtragen
der Schwung kreist und kreist
holt aus
setzt neu an
gibt sich nicht zufrieden
bis das letzte Festhalten
weggespült ist
fort gewischt alles Notwendige

das uns begrenzte
wie unsere Haut

 

sehe ich Spuren
des Haltens auf der Leinwand?
Finger 
die sich festklammerten
und doch in den Brunnenschacht stürzten?

 

Und dann?

 

Wo lande ich?

 

sind es vier rote Schmetterlinge

Äpfel, die aufgelesen werden wollen
verlorene Herzen
sich öffnende Blüten?

da mitten auf dem bewegten Grund
mal Teich
mal Moos
mal ungemähte Wiese
allemal weich
allemal ein unentdecktes Land



 

                     ohne Titel 2023, 65 x 92  

                      ohne Titel 2024, 60 x 90


           ohne Titel 2024, 60 x 60

Nomade 2024, 90 x 60

 leichtes Sinken 2017, 140 x 100

Zeichnungen


Fotos: Roger Oberholzer, fotografie-manufaktur.ch